Die Inflation im Ersten Weltkrieg

Durch die Finanzierung des Ersten Weltkrieg wurde ein Inflationsprozess in die Wege geleitet, der der deutschen Wirtschaft noch bis 1923/24 seine Signatur aufsetzte.

Die Kriegskosten betrugen etwa das Zweifache des Sozialprodukt von 1913. Das Sozialprodukt nahm dann aber sogar ab. Es wurde jährlich über die Hälfte davon in den Krieg investiert. Demnach musste der Staat auch mehr als die Hälfte des Sozialprodukt an sich bringen, allein um den Krieg zu finanzieren.

Enteignungen wurden nicht durchgeführt, da dies die Bevölkerung gegen den Staat aufgebracht hätte, und deren Zustimmung war gerade in den Kriegsjahren sehr wichtig. Daher mussten die Güter vom Staat gekauft werden, wozu er Geld benötigt.

Hierzu bestehen drei Möglichkeiten:

  1. Steuern erhöhen
  2. Staatsanleihen ausgeben
  3. Notenbankkredite ausnehmen

Es wurde wenig Gebrauch von der Besteuerungsmöglichkeit gemacht. Die Finanzierungsstruktur war damit ähnlich derer anderer Länder im Krieg. Steuern sind sehr „fühlbar“.  Und das, obwohl die Steuerlastquote damals verglichen mit heute mit acht Prozent sehr niedrig lag. Aber zur alleinigen Kriegsfinanzierung über Steuern wäre etwa das Siebenfache notwendig gewesen. Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass die Steuerlastquoten in Kriegszeiten in demokratischen Ländern i.d.R. stärker zunimmt als in obrigkeitsstaatlich regierten Ländern.

In den ersten Jahren fanden gar keine Steuererhöhungen statt. Auch, weil man glaubte, dass der Krieg schnell vorbei sein wird. Da die beteiligten Unternehmen gut am Krieg verdienten, wurde 1916 zunächst eine Kriegsgewinnsteuer eingeführt. Dann wurde auch erstmals eine allgemeine Umsatzsteuer eingeführt.

Die vom Staat ausgegebenen Anleihen waren bis 1916 überzeichnet, die Nachfrage nach den Kriegsanleihen war größer als deren Angebot. Danach trat eine Kriegsmüdigkeit ein und die Anleihen liessen sich nicht mehr so gut verkaufen. Der Anteil der Großzeichner (Unternehmen, Banken,…) lag bei etwa 90 Prozent.

Von 1916 an wurden auch Reichsbankkredite aufgenommen. Zudem wurden die Staatsanleihen, die nicht mehr so gut liefen, von der Reichsbank vorfinanziert. Die Anleihen wurden halbjährlich ausgegeben, von der Reichsbank aufgekauft und über die Zeit weiterveräußert. Auch diese Zwischenfinanzierung hatte eine preissteigernde Geldmengenerhöhung zur Folge. 

Am Ende waren Reichsbankkredite in Höhe von 51 Milliarden Mark aufgenommen worden und die Geldmenge durch den Geldschöpfungsmultiplikator um 75 Milliarden Mark gestiegen.

Gemäß der Quantitätsgleichung von Fisher gilt: Preise = (Geldmenge x Umlaufgeschwindigkeit) / Produktionsmenge.

Die steigende Geldmenge wirkte also in Richtung steigender Preise. Durch vom Kriegsamt vorgegebene Güterpreise wurde die Umlaufgeschwindigkeit künstlich niedrig gehalten. Es herrschte Güterknappheit, daher konnte, selbst wenn der Wille dar war, nicht in normalem Ausmaß konsumiert und umgesetzt werden. Ein Aufheben der künstlichen Senkung der Umlaufgeschwindigkeit führt gepaart mit der gestiegenen Geldmenge daher direkt zu einer starken Preiszunahme. Während des Krieges baute sich daher schon eine verdeckte Inflation auf, die Anfang der Weimarer Republik explodierte.

Über Paul Herwarth von Bittenfeld
Lean & Agile IT-Unternehmer. Partner bei //SEIBERT/MEDIA & Founder von Rhein-Main-Startups.com. Weitere Erfahrungen in der Geschäftsführung von TwentyFeet GmbH, Gartentechnik.com GmbH, new-in-town GmbH und naturkostaktiv GmbH sowie hunderten Kundenprojekten gesammelt.

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