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Wirtschaftsentwicklung unter Kaiser Wilhelm II.

Die Zeit unter Kaiser Wilhelm II. zeichnete sich durch eine extrem liberale Wirtschaftsordnung aus. Vermutlich war es sogar die am wenigsten staatlich beeinflusste Wirtschaftsordnung überhaupt in der deutschen Geschichte. Vereinzelt gab es zwar Staatsunternehmen, diese verhielten sich aber wie private Unternehmen im Wettbewerb. Eine Ausnahme stellten die monopolisierten kommunalen Versorgungsbetriebe dar.

Der Außenhandel war frei von staatlichen Beeinträchtigungen, abgesehen von den zur Einnahmenbeschaffung und zum Schutz eigener Güter erhobenen Zölle. Diese waren für den Staat eine wichtige Einnahmequelle, da keine direkten Steuern erhoben wurden. Ansonsten gab es so gut wie keine administrativen Beschränkungen. Es galt Währungskonvertibilität, jeder hatte also das Recht Währungen frei zu tauschen. Feste Wechselkurse sorgten für eine hochgradige Planbarkeit des Außenhandels. In der Handelsstruktur zeigt sich eine Problematik, die auch später im Ersten Weltkrieg nicht unwichtig werden sollte. Deutschland exportierte primär industrielle Fertiggüter. Importiert wurden hingegen Rohstoffe (vor allem Eisenerz und Nichteisenmetalle) und Nahrungsmittel. Dies, obwohl über ein Drittel der Arbeitskräfte noch in der Landwirtschaft tätig war. Damit war das Deutsche Reich existenziell abhängig von seinen Importen, während die Handelspartner leichter alternative Bezugsquellen finden konnten.

In dem Zeitraum findet ein starkes und beständiges Wachtum durch großen technischen Fortschritt statt. Das Bruttoinlandsprodukt verdoppelt sich glatt. Die Industrieproduktion übersteigt die Agrarproduktion erstmals im Anteil an der Wertschöpfung. Der Arbeiteranteil im Agrarsektor war allerdings noch höher als in der Industrie, da diese viel produktiver war und somit mit verhältnismäßig wenigen Arbeitskräften auskam. Vor allem der Maschinenbau, die Elektroindustrie und die chemische Industrie entwickelten sich prächtig und stellten, wie später auch der Fahrzeugbau, die deutschen Vorzeigeindustrien dar.

Dennoch war Deutschland noch kein reiches Land, mit einem Bruttoinlandsprodukt von etwa 4500 Euro in Preisen von 1998 ausgedrückt. Das ist etwa ein Siebtel bis ein Sechstel des heutigen Wertes [mit dem Ausdruck in Preisen eines weit entfernten Zeitpunktes ist immer vorsichtig umzugehen, da sich die bewerteten Güter und Dienstleistungen über den Zeitraum stark unterscheiden]. Ungefähr 40% der Bevölkerung lebt nur knapp über dem Existenzminimum.

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Über Paul Herwarth von Bittenfeld
Lean & Agile IT-Unternehmer. Partner bei //SEIBERT/MEDIA & Founder von Rhein-Main-Startups.com. Weitere Erfahrungen in der Geschäftsführung von TwentyFeet GmbH, Gartentechnik.com GmbH, new-in-town GmbH und naturkostaktiv GmbH sowie hunderten Kundenprojekten gesammelt.

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