Ist das Daily Standup für Teammitglieder zwingend?

Daily StandupVon Zeit zu Zeit erhalte ich Anfragen von Lesern, zu denen ich natürlich sehr gerne auch Rückmeldung gebe. Im aktuellen Fall handelt es ich um eine Frage, die uns vor längerer Zeit auch einmal bewegt hat: „Ist das Daily Standup für Teammitglieder zwingend?“
Gerne führe ich meine Gedanken hierzu aus, freue mich aber auch über Ergänzungen anderer Leser über die Kommentarfunktion.

Was ist ein Daily Standup?

Um alle Leser abzuholen, möchte ich noch einmal vorstellen, worum es sich bei Daily Standups eigentlich handelt. Daily Standups sind tägliche Kurzbesprechungen des Projektteams und einer der Grundbestandteile agiler Softwareentwicklung. In Scrum wird hierfür die Bezeichnung „daily scrum“ verwendet. Es ist ein fest verankertes Element in Scrum. Aber auch in Teams, die mit Kanban arbeiten, werden tägliche Standup-Meetings häufig eingesetzt.

Als Grundregel kann angesehen werden, dass dieses Meeting maximal 15 Minuten dauern sollte. Jeden Tag, zur selben Uhrzeit am gleichen Ort. In dieser Zeit beantworten alle Teilnehmer die folgenden Fragen:

  • Was wurde seit dem letzten Standup-Meeting gemacht?
  • Was wird bis zum nächsten Standup-Meeting erledigt?
  • Gibt es Hindernisse, Herausforderungen oder Optimierungsbedarfe, die angegangen werden sollten?

Optimalerweise findet dies an einem Taskboard statt, wie in obigem Bild dargestellt, damit alle auch direkt sehen können, von welcher Aufgabe der Kollege gerade spricht. Gemeinsam wird dann dieses Taskboard auch im Standup-Meeting aktualisiert, etwa erledigte Aufgaben verschoben.

Ist ein Teilnahmezwang für Daily Standups sinnvoll?

In der weniger agilen Praxis werden die Standup-Meetings häufig in Frage gestellt. So sind sowohl bei den Projektteams selbst als auch beim Management der Sinn und Nutzen nicht selten umstritten.

Zunächst einmal ist es meines Erachtens sinnvoll, den täglichen Einsatzbesprechungen eine ernsthafte Chance zu geben. Hat das Team also noch gar keine Erfahrung damit gemacht, wäre es ein guter Schritt, diese für einen längeren Zeitraum, zum Beispiel für 4 oder 6 Wochen oder bei Scrum-Teams für 2-3 Sprints einfach einmal auszuprobieren. Einen Zwang würde ich für nachteilig halten, da hier ganz klar mit Gegenwehr gerechnet werden muss. Vielmehr sollte das Team gemeinsam einen solchen Test-Zeitraum beschließen. Wenn dann negative, schlecht begründete Kritik auftaucht, kann derjenige darauf verwiesen werden, dass sich gemeinsam für eine Testphase entschieden wurde, die erst einmal abgewartet werden sollte. Wenn ernsthafte Verbesserungsvorschläge vorgetragen werden kann geschaut werden, dass diese möglichst schon frühzeitig mit in die Standups eingebracht werden.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Standup-Meetings von Teammitgliedern insbesondere in den folgenden Fällen kritisiert werden:

  • Die Meetings ziehen sich ewig hin und kommen nicht auf den Punkt. Dann sollte darauf geachtet werden, dass die Timebox eingehalten wird und Themen, die nur einen kleinen Teil der Gruppe betreffen erst im Anschluss an das Daily Standup besprochen werden.
  • Es wird gar nicht zusammen gearbeitet. Wenn jeder eh an seiner eigenen Baustelle arbeitet, dann erscheint der gegenseitige Austausch natürlich überflüssig. In diesen Fällen steht das Team vor einer größeren Herausforderung und sollte sich eventuell einmal damit beschäftigen, wie Teamwork in der agilen Softwareentwicklung verstanden und angewendet wird.
  • Es fehlt eine Moderation. Bei Scrum-Teams macht dies häufig der Scrum-Master, die Moderation kann aber auch abwechselnd von Teammitgliedern übernommen werden. Es sollte aber immer klar sein, wer gerade Moderator ist und dieser sollte z.B. darauf achten, dass die Redeanteile möglichst ausgeglichen sind. Nur wenn auch alle zu Wort kommen, macht es für sie auch Sinn, sich an dem Meeting zu beteiligen.
  • Es fehlt eine feste Zeit und ein fester Ort. Wenn die Meetings nicht allen Teammitgliedern in Fleisch und Blut übergehen und einen festen Platz im Kalender aller Teammitglieder haben, geht unnötig viel Zeit dafür verloren zu klären, warum Kollege A und Kollegin B gerade noch nicht anwesend sind. Manche Teams arbeiten auch mit „Strafen“, falls jemand unentschuldigt fehlt oder zu spät kommt. Dies können z.B. 10 Cent für das Team-Sparschwein sein, die dann nach etwas sammeln in einen Kuchen für das Team investiert werden.
  • Probleme werden nicht angegangen. Wenn immer wieder die gleichen Herausforderungen auftreten oder ein Kollege im Standup jeden Tag das gleiche erzählt, da er offensichtlich ein Problem mit einer Aufgabe hat, sollten beim Team die Alarmglocken angehen und für eine dauerhafte Lösung gesorgt werden. Standup-Meetings sind eine gute Möglichkeit, kontinuierliche Verbesserungsprozesse anzustoßen.

Nach dem wir nun ein paar Jahre Erfahrung mit Daily Standups haben, kann ich mir kaum noch vorstellen, wie ein Team, dass sehr eng zusammen arbeitet, ohne diese kurzen Einsatzbesprechungen effektiv und effizient zusammen arbeiten kann.

Weitere Informationen zu Daily Standups:

Foto: tomnatt

——–
Immer auf dem aktuellen Stand bleiben? Neue Artikel gibt es über FacebookTwitter, E-Mail (oben rechts) oderRSS-Feed.

Werbeanzeigen

Non-Profit-Konferenz „Deutsche Scrum 2011“ am 12./13.7. in Stuttgart

Am 12. und 13. Juli findet in Stuttgart ein Treffen von Scrum-Enthusiasten und jenen, die Scrum noch besser (kennen-)lernen möchten, statt. Es handelt sich dabei um eine Non-Profit-Konferenz, zu der sich bereits zahlreiche Scrum- und Agile-Coaches angekündigt haben. Das gewählte Format beinhaltet einen OpenSpace-Anteil, so dass nicht nur zuschauen und zuhören, sondern auch eine aktive Beteiligung an der Konferenz möglich ist.

Produktvision

Stefan Roock hat einen Vorschlag für die Produktvision des Events gemacht, der auf Zustimmung gestoßen ist:

Für Unternehmen, die Scrum anwenden (wollen) ist das Deutsche Scrum-Meeting 2011 eine kleine Non-Profit-Konferenz mit klassischen Vorträgen sowie nicht-klassischen Sessions wie Innovations-Cafe.

Im Gegensatz zu den XP-Days Germany kümmert sich das Deutsche Scrum-Meeting ausschließlich um Scrum.

Im Gegensatz zum europäischem Scrum-Gathering findet das Deutsche Scrum-Meeting auf deutsch statt mit Teilnehmern aus dem deutschsprachigem Raum.

Ablauf

1. Tag

Start mit einem Open Space für alle. Danach Open Space mit dem Thema „Scrum Advanced“ mit parallel einem Anfänger-Track und einem Track Intermediate/Special Interest

9 – 12h : Open Space
13-17h : Open Space Advanced Scrum
13:00-14:30h: Session INTRO 1
15:00-16:30h: Session INTRO 2

2. Tag

9 – 10:30h : World Cafe
Tracks: 11h – 16h :
Track 1: Team practices
Track 2: Scrum und andere Methoden: Synergin und Tendenzen
Track 3: Scaling Scrum, Scrum at Scale, Das Agile Unternehmen

Anmeldung

Die Anmeldung zum und Koordination des Treffens erfolgt über die Seite http://dtscrum2011.crowdvine.com/.

Jurgen Appelo zu „Agile Management“ bei Scrum User Group Rhein-Main

Für das kommende Treffen der Scrum User Group Rhein-Main am 17.2. konnte Jurgen Appelo, Autor von Management 3.0 und dem Blog noop.nl, für einen „Agile Management talk“ gewonnen werden.

Das Treffen beginnt um 19 Uhr, der „Agile Management talk“ wird ab etwa 20 Uhr starten. Der Veranstaltungsort wird in Mainz oder Frankfurt sein.

Link zum XING-Event

Die Treffen der Scrum User Group Rhein-Main finden monatlich statt, jeweils am dritten Donnerstag des Monats.

Dir hat dieser Beitrag gefallen? Dann hinterlasse doch einen Kommentar. Wenn du über das Produktmanagement und die Vermarktung von Internetanwendungen auf dem Laufenden gehalten werden möchtest, kannst du auch meinen RSS-Feed abonnieren oder mir auf Twitter folgen: @pherwarth.

Hilfe für die Vorbereitung von kick off-Meetings

Jahooda, die Plattform für Projekt- und Prozessmanagement, bietet in einem aktuellen Blogpost eine Hilfestellung für die Vorbereitung von Kick off-Meetings.

%d Bloggern gefällt das: