Innovation Games® – bessere Produkte spielerisch entwickeln

Im Rahmen des letzten Treffens der Agile Usergroup Rhein-Main präsentierte uns Michael Tarnowski von plays-in-business die 13 von Luke Hohmann entwickelten sogenannten Innovation Games®.
Es handelt sich dabei um einen Set von „Spielen“ (mal mehr, mal weniger spielerisch angehaucht), die genutzt werden können, um gemeinsam mit Kunden, Anwendern oder auch dem Team Ideen für ein Produkt oder einen Service zu generieren. Der Fokus der Spiele ist jeweils unterschiedlich, von Spielen für die Priorisierung von Features bis hin zur Entwicklung von neuen Feature-Ideen reicht das Spektrum.

Im ersten Schritt gab uns Michael einige Hintergrundinformationen zu den Innovation Games®:

Gegeben der beschränkten Zeit haben wir uns aus den 13 Games per Dot-Voting die interessantesten für die Teilnehmer herausgesucht und dann in vier Gruppen jeweils eines durchgespielt. Zwei davon möchte ich an dieser Stelle einmal kurz vorstellen.

Give them a hot tub

Give them a hot tub

In der Gruppe, der ich angehörte, haben wir uns mit „Give them a hot tub“ beschäftigt. Dabei geht es darum, in eine Liste mit Features, die sehr vernünftig erscheint, auch solche zu integrieren, die abwegig erscheinen. Das soll die Teilnehmer nach einem ersten Moment der Überraschung dazu bringen, darüber nachzudenken, ob an der abwegigen Option nicht doch etwas dran ist.
Als Basisprodukt hatten wir einen Einkaufswagen, den wir nach und nach um abwegigere Features erweiterten. Es ist uns dabei aufgefallen, dass es gar nicht so einfach war, auf wirklich abwegige Features zu kommen. Wir hatten viele Ideen, die sich rund um den Antrieb drehen, also etwa eine Motorisierung des Einkaufswagens. Dann überlegten wir uns z.B., dass der Einkaufswagen auch durch Solarzellen mit Strom für den Antrieb versorgt werden könnte. Auch ein paar Ideen in Richtung Aufprallschutz sind uns gekommen, wie ein Kuhfänger oder ein Airbag, die sicherlich auch in der Realität hilfreich sein könnten. 😉 Deutlich abwegiger wurde dann unsere „Ich spioniere den Wagen der anderen Leute aus und greife dann Ware, die ich auch haben möchte, aus deren Einkaufswagen ab“-Funktion.
Mit dieser Vorarbeit könnten wir nun eine Feature-Liste für einen Einkaufswagen erstellen, in der ein paar realistische und auch einige abwegige Features enthalten wären, die die Teilnehmer des eigentlichen Workshops dann bei einer Konfrontation mit der Liste zum Nachdenken anregen würden.

My worst nightmare

My worst nightmare

Ein weiteres Spiel, dass an dem Abend in einer Gruppe angewendet wurde, war „My worst nightmare„. Das Team entschied sich, als Thema „Häusle bauen“ zu nehmen, also ihren schlimmsten Alptraum in Verbindung mit einem Hausbau zu schildern. Es kam eine ganze Reihe von Anregungen zustande, die auf einem Flipchart-Papier visualisiert wurden. Zu nennen ist etwa, wenn der Bauträger komplett falsch versteht, was man eigentlich haben wollte, und das Haus später „auf dem Dach steht“. Auch vollkommen überzogene Baukosten oder extrem verlängerte Bauzeiten sind verständliche Sorgen, denen sich z.B. manche Fertighaus-Anbieter mit Fixpreisen stellen wollen. Aber auch die Behörden können Bauprojekte beschwerlich machen. Einige weitere Punkte sind noch zusammengekommen und am Ende waren sich alle einig, dass der eigentliche „worst nightmare“ wäre, wenn das alles auf einmal eintritt.
Es ist an dem Beispiel deutlich geworden, dass „My worst nightmare“ für die Vermarktung eines Produktes sehr hilfreich sein kann. Wenn die Sorgen und Ängste potentieller und bestehender Kunden bekannt sind, kann darauf gezielt eingegangen werden. Dies kann der Start einer besonders guten Kundenbeziehung werden, wenn der Kunde das Gefühl hat, vom Dienstleister gut verstanden und ernstgenommen zu werden.

Dies waren zwei der vier Spiele, die wir an dem Abend ausprobiert haben. Das Feedback der Teilnehmer war sehr positiv und wir freuen uns auf eine Fortsetzung zur Erprobung der weiteren Innovation Games.

Weitere Informationen gibt es auch im Blog-Beitrag von Michael zu Innovation Games.

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Zweites Treffen des Lean Startup Circle Rhein-Main

Nach einem erfolgreichen 1. Treffen des Lean Startup Circle Rhein-Main im April ist für den 11. Juni ein zweites Treffen des Lean Startup Circle geplant. Während beim letzten Treffen das gegenseitige Kennenlernen und der Austausch im Vordergrund standen, soll es dieses Mal einige kurze Vorträge über die Anwendung der Ideen und Methoden des Lean Startup geben.

Bisher haben sich zwei Referenten für das Treffen in Wiesbaden angekündigt, die konkrete Einblicke in ihre Lean Startup-Erfahrungen bieten möchten. Mit weiteren Referenten laufen Vorgespräche.

Vorträge

Derzeit geplant sind die folgenden Vorträge:

  • Entwicklung von SpellJS – von der ersten Überlegung bis zum heutigen Stand. – Julian Haupt, Spielmeister GmbH
  • Lean Startup – Anwendungsbeispiele von TwentyFeet – Jost Grabo, TwentyFeet GmbH

Es werden noch weitere Referenten für kurze Vorträge von 10-15 Minuten Länge gesucht. Bei Interesse einfach unter pherwarth@seibert-media.net melden.

Datum, Uhrzeit und Location

Das Treffen findet statt am 11. Juni 2012 ab 18.30 Uhr.

//SEIBERT/MEDIA GmbH
Kirchgasse 6 / LuisenForum
65185 Wiesbaden
http://www.seibert-media.net/

Anmeldung

Die Anmeldung für den 2. Lean Startup Circle Rhein-Main erfolgt über diese XING-Eventseite oder über diese Amiando-Eventseite.
Aktuelle Informationen zum Lean Startup Circle gibt es auch auf dessen Website sowie der zugehörigen XING-Gruppe.

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TIPPS UND TRICKS ZUM PRODUKTMANAGEMENT VON INTERNETANWENDUNGEN
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Review: „The Lean Startup“ von Eric Ries

"The Lean Startup" von Eric RiesBei der Schaffung von erfolgreichen Produkten und Dienstleistungen liegt heutzutage die größte Herausforderung nicht mehr in der Produktion oder Codierung, als vielmehr im sogenannten „market-fit“. Tatsächlich die Kundenbedürfnisse zu treffen, ist die größere Herausforderung für den Produktmanager von heute.
„The Lean Startup“ von Eric Ries beschreibt ein Vorgehen, das für die erfolgreiche Realisierung von Ideen unter dieser Unsicherheit Anwendung finden kann. Es möchte dabei helfen, mit möglichst wenig Aufwand die Marktfähigkeit einer Idee zu testen, bevor diese in ein Produkt umgesetzt wird.

Der Kern: Build – Measure – Learn

Eric Ries schafft mit „Lean Startup“ nicht wirklich etwas neues. Es handelt sich um eine Sammlung von Praktiken, Sicht- und Vorgehensweisen, die einen Namen erhalten, der für die Beseitigung der Unsicherheit steht, die jedem Produktmanager Unbehagen bereitet. Hervorzuheben bleibt dennoch, dass er eine Struktur in diese Vorgehensweisen bringt und so ein systematisches Vorgehen vereinfacht.

Im Kern steht dabei der Zyklus von „Build – Measure – Learn„. Ausgehend von einer Idee wollen wir etwas bauen, um damit einen Test durchzuführen. Mit dem, was wir gebaut haben, messen wir, ob unsere vorab getroffenen Annahmen sich bewahrheiten. Aus den Ergebnissen können wir lernen, ob wir uns auf dem richtigen Weg befinden oder mehr oder weniger tiefgreifende Anpassungen vornehmen müssen. Diesen Zyklus von Build – Measure – Learn versuchen wir immer schneller zu durchlaufen, in dem wir unsere Testverfahren optimieren.
Das wichtigste Ergebnis dieses Vorgehens ist nicht das Produkt, der Code oder ähnliches, was dabei entsteht, sondern das validierte Lernen. Wir beginnen, zu verstehen, was wirklich Akzeptanz am Markt erhalten kann.
Mit diesem Wissen können wir dann Produkte entwickeln, die sich durch einen guten „market-fit“ auszeichnen.

Viele Praxisbeispiele, für die Anwendung ergänzende Literatur hilfreich

Durch eine Vielzahl von Praxisbeispielen verdeutlicht Eric Ries dieses Vorgehen. Die Beispiele reichen dabei von Internet-Anwendungen, die ihr Geschäftsmodell erst einmal komplett unautomatisiert im Real Life abbilden, bis hin zu Bundesbehörden, die erst einmal mit kleinem Budget auf lokaler Ebene den Dienst aufnehmen, um in kleinem Rahmen vor dem bundesweiten Roll-out zu lernen. Das Anwendungsfeld von Lean Startup ist breit.
Trotz der vielen Beispiele aus der Praxis bleiben noch viele Fragen für die konkrete Umsetzung und Anwendung in „The Lean Startup“ offen. Das Buch verdeutlicht in erster Linie die Denkweise dahinter. Oder wie Eric Ries es sagen würde: „The philosophy of lean ist not just a concept or systematic approach, it is an aligned way of thinking and acting“. Es ist daher ein sehr guter Startpunkt für die Beschäftigung mit dem Thema, das dann um weitere Literatur ergänzt werden sollte.

Das Buch ist in verschiedenen Varianten verfügbar:

Weitere Literatur aus dem Themenbereich:

Interessante Blogs zum Thema:

  • Startup Lessons Learned von Eric Ries: Hier teilt er seine Gedanken rund um Lean Startup, Customer Development und Agile Produktentwicklung.
  • SteveBlank.com: Regelmäßige Posts zu aktuellen Präsentationen und Gedanken rund um Customer Development, Geschäftsmodell-Optimierung und Lean Startup.

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