Erfahrungsberichte zur Scrum-Einführung

Scrum-Einführungen sind eine spannende Entdeckungsreise. Das lässt sich als Fazit aus zahlreichen Erfahrungsberichten herauslesen, die von Leuten veröffentlicht wurden, die sich mit einem Team auf diese Entdeckungsreise begeben haben.

Vielfach zeigt sich dabei ein ähnlicher Verlauf bei der Einführung von Scrum, den ich in diesem Artikel gespickt mit vielen Zitaten zusammengefasst dargestellen möchte.

Eine Scrum-Einführung stellt eine tiefgreifende Veränderung dar

Zunächst einmal sollten sich die Teams bewusst sein, dass sie sich auf eine große Veränderung einlassen, wenn sie Scrum einführen. Es ist nicht eine kurze Umstrukturierung und Umbenennung, sondern eine Veränderung des ganzen Mindsets und der Art, wie gemeinsam gearbeitet wird.

“Meine sicherlich wichtigste Erfahrung ist, dass eine sanfte Einführung von Scrum nicht möglich ist: ernenne den Projektleiter zusätzlich zum Scrum Master, erkläre den Produktmanager zum Product Owner, führe Taskboard, Sprint Planning, Review und Retrospektive ein und los geht’s.” (Katja Roth)

“Es genügt nicht, lediglich die neuen Rollen, Prozesse und Meetings einzuführen, aber ansonsten in den alten Strukturen zu verbleiben.” (Katja Roth)

Ein solches lapidares Vorgehen bei der Einführung von Scrum führt höchstens zu einem “Scrum, but”, dass bei weitem nicht die gewünschten Effekte bringt.

“Die erste Herausforderung war es, Scrum innerhalb des ganzen Unternehmens zu verstehen. Wenn Scrum als Projektmanagement-Methode oder als Vorgehensmodell wie etwa das Spiralmodell missinterpretiert wird, bleiben die meisten Vorteile ungenutzt.” (Traian Kaiser)

Dabei dürfen sich Teams auch nicht von der scheinbaren Einfachheit von Scrum blenden lassen.

“Das Regelwerk ist so unkompliziert und die Methode so einfach zu erlernen, dass man annimmt, man hat sofort alles verstanden. Erst wenn man Scrum tatsächlich einsetzt, merkt man, dass es sich um einen wirklichen Paradigmenwechsel handelt, der von allen Beteiligten ein radikales Umdenken verlangt.” (Ralf Ehrhardt)

Scrum-Einführungen erfordern Veränderungsbereitschaft und Ausdauer

Teams sollten sich auf einen langen gemeinsamen Weg einstellen, bei dem allen Beteiligten die Bereitschaft für tiefgreifende Veränderungen abverlangt wird. Eine Scrum-Einführung wirkt sich auch erheblich auf die gesamte Unternehmenskultur aus.

“Der Wille von Management und Mitarbeitern, diese Veränderungen voranzutreiben und auch mehr Verantwortung in die Teams zu geben und zu übernehmen, ist absolut notwendig. Damit dies funktioniert, bedarf es einer Unternehmenskultur, die grundsätzlich dem agilen Manifest folgen kann.” (Traian Kaiser)

Einige lieb gewonnene Angewohnheiten werden über den Haufen geworfen, um sich in der gemeinsamen Zusammenarbeit weiterzuentwickeln.

“Eine besonders große Herausforderung ist von Beginn an die Umsetzung der Maxime “Jeder macht alles” gewesen: Jedes Teammitglied hat ein Projekt, das ihm besonders am Herzen liegt, und sieht sich immer wieder versucht, sich vorwiegend um die Arbeiten an diesem Steckenpferd-Projekt zu kümmern.” (Manuel Kummerländer)

Die zunehmende Einbeziehung der Teams in viele Entscheidungen kostet dabei viel Kraft.

“Jetzt muss ich die Teams fragen, wie sie etwas lösen wollen, das ist oft anstrengend” (Oliver Zeiler)

“Die Selbstverantwortung und die vielen dadurch entstehenden Diskussionen finde ich recht auf- und anregend, manchmal auch sehr anstrengend.” (Manuel Kummerländer)

Auf einmal wird Personen Verantwortung übertragen, die dieses über einen langen Zeitraum nicht gewohnt waren.

“In den letzten 20 Jahren lief das so ab: Manager haben einen Plan erarbeitet. Wurde der umgesetzt, hieß das: Wir lösen jetzt das Kundenproblem mithilfe von Software. Die Manager wissen aber häufig nicht, wie man das macht. Deswegen schlage ich vor, dass man den Programmierern das Problem beschreibt, und sie finden dann selbst heraus, wie sie es lösen. (Ken Schwaber)

Erst nach und nach, über einen längeren Zeitraum, gewinnen alle Beteiligten eine zunehmende Sicherheit in ihren Rollen und lernen, mit der neuen Verantwortung umzugehen.

“Wir befinden uns auf einer langen Straße, die, um es noch bildlicher auszudrücken, am Anfang sehr holprig und ohne Beschilderung war und nun immerhin schon zu einer stattlichen Bundesstraße ausgebaut wurde.” (Matthias Müller)

Positive Veränderungen stellen sich nach und nach ein

Nicht umsonst entwickelte sich Scrum in den letzten Jahren zum State-of-the-Art-Vorgehensmodell in der Softwareentwicklung. Die meisten Erfahrungsberichte verweisen auf viele positive Effekte aus der Einführung von Scrum. Etwa Verbesserungen an der Qualität der Arbeitsergebnisse.

“Die Qualität unserer Software erscheint mir – insbesondere für so ein neues Team – schon sehr hoch. Wir haben viele Unit Tests mit annehmbarer Code Coverage, der Code ist fast zu 100% kommentiert, und die Software macht einen “runden” Eindruck.” (Mathias Raacke)

Aber auch Verbesserungen bei der Zusammenarbeit und der Produktivität.

“Alles in allem machen wir uns also immer besser. Es macht Spaß, zu erleben, wie man gemeinsam die Atmosphäre, in der man arbeitet, verändern, die Qualität verbessern und die Produktivität steigern kann.” (Matthias Müller)

Und erste Erfolge führen dazu, alle in ein gemeinsames Boot zu holen.

“Da haben alle anderen gesehen, dass Scrum Spaß macht und sexy ist.” (Oliver Zeiler)

Machen wir uns nichts vor: Eine Scrum-Einführung ist kein leichtes Unterfangen. Aber die positiven Effekte einer gelungenen Einführung zeigen sich auf vielen verschiedenen Ebenen. Und so lohnt sich diese Reise, auch wenn sie niemals wirklich zu Ende geht… .

Erfahrungsberichte von Scrum-Einführungen:

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“Scrum & Kanban im Agenturgeschäft” – Treffen der Scrum Usergruppe Rhein-Main am 16. Juni

Das Juni-Treffen der Scrum Usergroup Rhein-Main findet in Wiesbaden statt. Am 16.06.2011 bieten Joachim Seibert und Paul Herwarth von Bittenfeld von der Internetagentur //SEIBERT/MEDIA Einblicke in die Arbeit mit Scrum und Kanban im Agenturgeschäft.

Neben den Erfahrungen bei der Einführung im Agenturgeschäft für ganz verschiedene Projektarten (die immer noch im Gange ist) werden Einblicke in die Teambüros und die Werkzeuge der Agentur gewährt.

Auch ein Blick in die Zukunft soll gewagt werden. U.a. steht in etwa einem halben Jahr ein Umzug an, mit dem sich Fragen zur optimalen Raumplanung für agile Teams stellen.

Das Ziel des Treffens ist ein praxisnaher, aktiver Dialog.

Ab 21 Uhr wird zum Socializing ins Orange am schönen Schiersteiner Hafen gewechselt.

Termin und Veranstaltungsort

Do, 16.06.2011, ab 19:30 Uhr

//SEIBERT/MEDIA GmbH
Rheingau Palais, Söhnleinstrasse 8
65201 Wiesbaden
Deutschland

Referenten des Abends

Joachim Seibert: Joachim ist Geschäftsführer und Leiter Technologies bei //SEIBERT/MEDIA. Im letzten Jahr hat er entscheidend die Entwicklung hin zu agilen Werten und Prinzipien im Unternehmen vorangetrieben.
Weitere Informationen über Joachim: http://seibert.biz/jseibert

Paul Herwarth von Bittenfeld: Paul leitet den Bereich Beteiligungen von //SEIBERT/MEDIA und ist in dieser Funktion auch als Product Owner für die Tochtergesellschaften TwentyFeet, Gartentechnik.com und naturkostaktiv tätig.
Weitere Informationen über Paul: http://seibert.biz/pherwarth

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